Reviews
Lila "Tol's toy" (veto-rec. 009)
Terz, Düsseldorf / http://www.terz.org/ – HONKER

Dieses Ding ist schon älter, aber dafür noch mal so gut. Mit Christoph Erb (saxes), HP Pfammater (Tasten), Flo Stoffner (Git) und Julian Sartorius (Drums) sind vier der derzeit besten jungen Schweizer Freispieler hier auf einem Haufen versammelt. Mit Erb als Mastermind kommt die enorm vital und frisch aufspielende Combo bereits auf Konserve so überzeugend rüber, dass man wünscht, sie endlich einmal live zu sehen (was bei der Versprengtheit ihrer Mitglieder nicht so einfach ist). Drive und Rhythmus, gar Groove sowie fordernde Klangszenarien und Freeform-Rock-Tunnel weisen hier das Licht durch die Nacht. Auch atmosphärische Late-Nite-Groover haben sie im Gepäck – großes Ding indeed! Lila bedeutet ‚Spiel’ in Sanskrit, Werden und Vergehen, Zerstörung und Wiederaufbau. Und wie heißt’s doch so schön: Destruction is not negative – you must destroy to build up. Word! Shoot it to the Moon!


Tonale Turbulenzen im Jazzkeller Lila im Sauschdall, Ulm
Südwest Presse - Udo Eberl

Vom Zerbröseln und Komprimieren der Jazz-Strukturen: Das Schweizer Quartett "Lila" begeisterte mit einem Konzert im Sauschdall.

Wer hats erfunden? Wir wissen ja, die Schweizer waren es, und nach dem Konzert des Quartetts "Lila" im Ulmer Jazzkeller Sauschdall durfte man die Vermutung anstellen, dass die Dekonstruktion des freien Jazz, kultiviert mit aktuellen Beats der Speed-Klasse, mit dem harten "Cchhh" einhergeht. Den Herren um den Luzerner Saxophonisten und Bassklarinettisten Christoph Erb war zunächst nahezu jedes Mittel recht, Töne in Miniaturen zu zerbröseln oder in flatternde Schwingung zu bringen. Ein jazzfundiertes komplexes Getöse war meist das Ergebnis, doch aus diesem konnte sich wie ein Destillat auch tonnenschwerer Groove entwickeln, der von einem pumpenden Synthesizer-Basslauf angeschoben wurde, um dann wieder mit dem Geigenbogen über Gitarrensaiten zersägt zu werden.

Großartig Hans-Peter Pfammatter an den Tasten, der mit viel Experimentiergeist am mit elektronischen Effekten präparierten E-Piano agierte und zum beidhändigen Antreiber der Band wurde. Mit im Bunde immer Julian Sartorius, der sich in modernster Jazz-Auffassung als treibender Faktor an der Schnittstelle zwischen entfasertem Freejazz, verkopftem Indierock und Dubstep bewegte. Er sorgte mit Pfammatter für die untergründigen Bewegungen in Richtung Intellekt-Pop, während Saxophonist Erb und Gitarrist Flo Stoffner technische Finesse und tonale Turbulenzen oftmals mit sehr viel Kalkül zum extremistischen Gewitter vereinten.

Selbst der Schrei der Entfesselung war so laut wie kanalisiert. Während Stoffner mit etlichen Effekt-Tretern den Klang des Sechssaiters bis zur Unkenntlichkeit entstellte, lotete Erb auch die letzten klanglichen Feinheiten seines Instruments aus. Am Ende wurde das pulsierende Erlebnis gar noch hymnisch und melodisch verdichtet zum griffigen Mitreißer. Eine finale Kompression der Extraklasse, die eine Zugabe zwangsläufig machte. Mit dem Soundtrack für einen balkanesken Rummelplatz, auf dem sich das Karussell immer schneller drehte, verabschiedeten sich "Lila" - und hier schrammelte erstmals auch die Gitarre.


Lila "Tol's toy" (veto-rec. 009)
Eclipsed Magazin (D) - WK

Lila ist die Band um Saxofonist Christoph Erb und Keyboarder Hans-Peter Pfammatter. Die beiden Schweizer verschreiben sich einer elektronisierten Form des Free Jazz die vielleicht gewisse Vorläufer im M-Base-Sound hat, genau genommen aber ohne Beispiel ist. Im Zentrum der kollektiven Musik steht die freie Improvisation, die sich immer wieder verknotet und zu komponierten Motiven verdichtet. Die Art und Weise, wie komponierte und improvisierte Stilmittel sich gegenseitig bedingen und ineinander übergehen, ohne dass bewusst Demarkationslinien überschritten werden, ruft oft interessante Reibung hervor. Gerade in den längeren Stücken werden die Spannungsbögen aber nicht konsequent durchgehalten und verlieren sich in kleinteiliger Beliebigkeit. Immer dann, wenn die vier Musiker nicht der Versuchung erliegen, sich zu sehr am eigenen Klang zu laben, sondern sich gegenseitig in die Parade fahren und so die gemeinsame Energie zu gigantischen Türmen aufwerfen, gelingt ihnen eine elektrisierende und knisternde Musik. Toptrack: ArroGans.


Lila "Tol's toy" (veto-rec. 009)
Skug (A) – Journal für Musik - Curt Cuisine

Diese Schweizer! Immer wieder für eine Überraschung gut. Lila besteht aus den vier Herren Christoph Erb, Hans-Peter Pfammatter, Flo Stoffner und Julian Sartorius, die sich die Funktionen Saxophon, Electronics, Gitarre und Drums wohlfeil aufgeteilt haben. Das ist gut und richtig, denn wir haben es mit einer ungehemmt zwischen Jazz und Rock oszillierenden Besetzung zu tun, die insbesondere stark in Richtung Elektronik schielt. Das musikalische Ergebnis wurde bereits an anderer Stelle als weitgehend »klischeefrei« beschrieben. Das trifft es nicht ganz, aber doch recht gut, denn natürlich schleichen sich Jazz- und Rockphrasen immer wieder ein, aber die Selbstverständlichkeit, mit der hier die Stilhemden gewechselt werden und die Elektronik immer wieder konstruktiv dazwischen funkt, dabei das Spektrum zugleich erweitert und reduziert, ist äußerst erfreulich mit anzuhören. »Tol's Toy« ist streckenweise ganz nah dran an einer längst fälligen »OK Computer« der improvisierten Musik, das könnte also noch sehr spannend werden mit diesen Schweizern. Den Track »Ulla« darf man als zwar untypischen, aber hübsch verspielt-groovigen Reinhörtipp wärmstens empfehlen.


Lila "Tol's toy (veto-records 009)"
Jazzflits Nr. 163 (NL) – Hermann de Loo

"Lila balanceert op de rand van improvisatie en avant-garde rock. De speelse en soms humoristische aanpak maakt het geheel extra aantrekkelijk."
Een toetsenbord levert nu eenmaal een andere attaque op dan een bas(gitaar). Drummer Julian Sartorius kan behoorlijk strak drummen en is zowel thuis in asymmetrische ritmes als in stevig beukwerk, maar hij is ook een avontuurlijke slagwerker die goed kan improviseren. Gitarist Stoffner is een man van atmosferen, en is verantwoordelijk voor soms fraaie Robert Fripp-achtige soundscapes. Rietblazer Christoph Erb kan zich schikken in het groepscollectief, maar is ook een begenadigd solist, hetgeen hij helemaal aan het eind van de cd 'Tol's Toy' extra benadrukt in een Evan Parker-achtige a capella-solo, als de rest van de band al naar huis lijkt te zijn. Samen met Pfammatter zet hij de span- nendste onderdelen van de open improvisaties neer waarmee de groep de strakke delen afwisselt. Een speelse, en soms humoris- tische aanpak maakt het geheel extra aantrekkelijk. Begin vol- gend jaar is de groep wellicht op de Nederlandse clubs te be- wonderen, waar ze in de kleur van de bandnaam het podium schijnen te betreden.


Lila "Tol's Toy"
Jazz'n'more – Pirmin Bossart

Nach einer gut zweiminütigen und schön düster gefärbten "Ouverture" nimmt uns zunehmend das neunminütige "Photo-Apperat-Graph" gefangen. Das Stück enthält alles, was Lila auszeichnet: Struktur und Freiheit, Sensibilität und Brachialität, motorische Kraft und irrlichterndes Soundspiel. Das kurze Stück "BeroBero" fasziniert mit subtilem Geklöppel und Geglöckel wie von der surrealistischen Alpweide, bevor dann mit dem über 15-minütigen "Buxus Harlandii" das längste Stück des Albums anbricht. Ein Brocken aus feierlichen Melodien, drängendem Puls, Getöse und Gefrickel in wohlproportionierten Einheiten und voll wilder Kraft. Lila legen hier erneut ein frisches Album vor, das sich kaum je an herkömmlichen Jazzproduktionen orientiert, sondern einen eher an englischen Post-Henry-Cow-Achtziger-Avant-Rock erinnert. Da sind vier Instrumentalisten die zu den besten der Schweiz zählen. Mit einer Mischung aus Ernsthaftigkeit und Unbekümmertheit lassen sie sich in experimentier freudig Kollektivprozesse ein. Dabei wahren sie stets ihre individuelle Stimme und schaffen es, die fragmenthaften Kompositionen zu einem schrägen schönen Ganzen zukitten.


Lila schildert geluid in Paradox
Experimentele viermansformatie overtuigt met groot muziekpalet

3VOOR12 TILBURG door Marco Maas
donderdag 30 april 2009 16:30
http://3voor12.vpro.nl/artikelen/artikel/41905649
most recently accessed on 03/05/09

De Zwitserse band Lila liet woensdagavond in Paradox horen dat ze niet voor niets naar Tilburg is gekomen. Terwijl een paar honderd meter verderop zo'n beetje heel Tilburg aan het zingen was, wisselde Lila (in dito gekleurde blouses) rustige, atypische achtergrondmuziekjes behendig af met snelle, jazzy experimentgeluiden.

Het is meteen duidelijk waarom er op het toegangskaartje ‘bizarre klankschilderijen en ongepolijste geluiden’ staat. De viermansformatie brengt klanken die atypisch en tegelijkertijd typisch experimenteel zijn. Lila lijkt voor haar eerste optreden ooit in Nederland een experimenteel avondje te hebben bedacht, zoals we dat kennen van groepen die zichzelf graag zelfgenoegzaam avant-gardistisch noemen. De drum is vaak het ritme- en rustpunt en de gitarist en saxofonist leven zich uit door korte, hoekige klanken de zaal in te gooien.

Gelukkig blijkt vanaf het tweede nummer dat de mannen meer kunnen. Overgangen tussen lekkere uptempo-gedeelten en onorthodoxe stukken wisselen elkaar gecontroleerd en in redelijk hoog tempo af. Hierbij valt vooral de saxofoon van Christoph Erb op. Deze baant zich soms een eigen weg door het muzikale vernuft, zonder zich te vervreemden van de andere instrumenten.

De band meandert van overgang naar overgang en zo ongeveer halfweg het optreden horen we voor het eerst (en meteen ook voor het laatst) stemgeluid in een nummer. Erb gunt het pubiek ineens wat Oosters klinkende klanken en de muntjes die drummer Julian Sartorius in zijn hand rond laat gaan, versterken de Aziatische sfeer. Dit Oosterse uitstapje krijgt niet de kans te gaan vervelen want het wordt gevolgd door een nummer uit een heel andere muzikale uithoek. Dat doet de band goed: de stukken duren bijna nooit zo lang dat ze gaan vervelen en de overgangen ertussen doen, ondanks de grote muzikale tegenstellingen, niet gekunsteld aan.

Een prettige gitaarsolo leert ons en passant dat gitarist Flo Stoffner op de ballen van zijn voet leunt als hij losgaat op zijn instrument, wat er behoorlijk vrolijk uitziet. En het is dezelfde Stoffner die de zaal na ruim een uur op een enigszins onbeholpen maar leuke manier vertelt dat het optreden is afgelopen. Het klankschilderij dat met behulp van een veelvoud aan stijlen heel beheerst is neergezet, is af.


The Wire, Nr 287, January 2008
Lila Lila Unit CD

Reed man Christoph Erb is the main writer for Swiss ensemble Lila, though on the strength of a free improvised track and compositions by bass synth man Hans-Peter Pfammater and drummer Julian Sartorius, there's plenty of compositionale skill throughout the group. The other member is guitarist Markus Stalder, whose unisons with Erb are a key part of the fast, tricky open sections. There are occasional glimpses of 70s-style jazz rock, notably on the opening «Eleven Days And Everything Lost?» but it's ruthlessly reconceived and cliche-free.


Cadence Jazzmagazine – NY / USA
by Roberto Iannapollo

Lila is a Swiss quartet that hovers in a similar area to “Yilmaz’ band” but Lila’s music is much more open. Despite being compositionally based, there’s spontaneity to this music that gives it an edge. There’s also a muscular energy but it never becomes the group’s main m-o. There’s enough intelligence in these musicians to pre-empt fusion-styled bluster. There are some surprising moments. Sartorius “Music for Klapauzius” seems like it’s about to teeter on the edge of a punk blowout. There’s a thrilling moment in the middle of Erb’s “Franz-Xaver’s Mobile” when the entire band plays a tremolo that grows in volume for nearly two minutes until it’s released into an electronic storm from Pfammatter. That subsequently opens up into a 5/4 section that takes the piece to its conclusion. Every track here has something like that going on even though the compositional chores are spread around. Based on this disc Lila is an exciting band and I bet they’re great to hear live.


Jazz n more, Nov/Dez 2007

Erschütterungen und ruhige Klangräume prägen das Debutalbum von LiLa. Die beiden Pole geben eine Grunddynamik, die sich unterwegs in den Tracks weiter aufpixelt. Es lauert auf dieser Platte und es braut sich zusammen. Handkehrum werden die Räume gedehnt und mit Sound-Gefunkel ausgetastet. Es kann auch ganz schön powern. Der gemeinsame Nenner dieses Albums ist eine suitenartige Struktur, aufgeteilt in sieben Tracks, in denen scharf umrissene Motivzellen geformt und in die Eruptivzonen des Quartetts gerockt werden. Dazwischen erstrecken sich weite Klangfelder und Ruhezonen, wispern die Geister der akustischen Sounds, die gleichberechtigt von allen Instrumentalisten kommen. Formal Strenges wechselt mit ausufernden Parts, wo die Ränder und Richtungen unklarer werden. Das Abschlussstück R-Sündrom ist ein Ohrwurm. Majestätisch und gelassen bläst sich die einfache Melodie ins Hirn, dazu die kompromisslose Spur des Bass-Synthi - das wäre der Jingle für eine Jazz-Hitparade.

Die Mitglieder von Lila aus Luzern sind Cracks der jüngeren Schweizer Jazzszene. Gründer ist der Saxofonist und Bassklarinettist Christoph Erb (erb_gut, Veto), ein zupackender und klanglich differenzierter Instrumentalist. Stark geprägt wird der Bandsound von Hans-Peter Pfammatter, der synthetischen Bass spielt, gekonnt Sounds einspeist und wurlitzert. Julian Sartorius (dr) macht oder unterlässt Sachen, die man erst beim dritten Zuhören so richtig checkt!


Jazz Festival Willisau 2006
Vorschau / Pirmin Bossart

Der heisse Tipp? Zelt-Konzert, Sonntag, 12 Uhr. Möglich, dass es kühl ist, dass es nicht optimal tönt, dass der Samstagnacht-Kater im Kopf rumort. Mit Lila lässt sich darüber hinweg kommen. Das neue Quartett mit Hans-Peter Pfammatter (Keyb, synth), Markus Stalder (Gitarre), Christoph Erb (Tenorsaxophon, Bassklarinette) und Julian Sartorius (Drums) verbindet Erinnerungen an jazzigen Free Funk mit dem Puls und Klang von heute. Die Band hat alles, was sich ein zeitgenössisches Jazzherz wünscht: Druck, Space, Sounds, Groove.


 
  Strukturierte Spontaneität
Der Bund - Georg Modestin

Das Quartett Lila um den Luzerner Christoph Erb stellt sein neues Album vor: Es ist Musik aus dem Spannungsfeld zwischen Jazz und Rock.

Der erste Höreindruck täuscht. Was bei einem oberflächlichen Durchlauf wie ein spontanes Happening wirkt, in dessen Verlauf sich die Beteiligten in erster Linie selbst verwirklichen wollen, und zwar ohne allzu grosse Rücksicht auf ein allfälliges Publikum, erweist sich bei näherem und wiederholtem Hinhören als ein höchst kunstvolles Konstrukt. Improvisation und Komposition stehen darin in einem fein austarierten Gleichgewicht, in dem spontane Ausbrüche, die zuweilen brachial anmuten, von vorgegebenen Strukturen aufgefangen werden.

Die Rede ist vom Album «Tols Toy» des Quartetts Lila. Besagte Gruppe ist nicht neu, sicher auch ein Grund für das nahezu blinde Verständnis der vier Lila-Protagonisten untereinander, die sich nach ihren jeweiligen instrumentalen Egotrips immer wieder finden. Das Debütalbum wurde 2006 aufgenommen und erschien unter dem auf sich selbst verweisenden Titel «Lila» auf Unit Records. «Tols Toy» ist nun auf Veto Records herausgekommen, Christoph Erbs in Zwischenzeit ins Leben gerufenem Kleinlabel, das sich der Dokumentierung von Musik in ihrem Entstehungsprozesses verschrieben hat.

Entsprechend sind sechs der acht Nummern auf «Tols Toy» Livemitschnitte, auf denen Christoph Erb zusammen mit den Gründungsmitgliedern Hans-Peter Pfammatter, der für diverse elektronisch generierte Sounds zuständig ist, und Julian Sartorius am Schlagzeug sowie mit dem neu hinzugestossenen Gitarristen Flo Stoffner in konservierter Echtzeit zu hören ist. Die Musik, für die entweder Erb oder Lila als Kollektiv verantwortlich zeichnen, bewegt sich im weiten Feld zwischen den Eckpunkten Jazz, Rock und Ambient, das mittlerweile schon oft begangen worden ist, jedoch selten mit soviel Formbewusstsein. Tatsächlich tönt Lila erfrischend unklischiert, was damit zu tun hat, dass die Musiker nicht in vorgegebene Formeln verfallen, sondern ihre Syntax selbst erschaffen.


Lila "Tol's toy" (veto-rec. 009)
Citizien-Jazz.com (Fr)

Dirigé par le saxophoniste Christoph Erb, le label suisse alémanique Veto Records s'inscrit dans un ton très contemporain et ouvre ses portes aux musiques lorgnant autant du côté du métal que des abstractions électroniques. C'est au ténor et à la clarinette basse qu'on retrouve Erb à la tête du quartet Lila pour un disque à la noirceur contemplative et très touffue. Tol's Toy évoque largement l'univers de Terje Rypdal ou, plus proche de nous, celui du groupe Q, notamment par sa faculté de donner du relief à une matière au premier abord inextricable - bien que révélant à terme une musique complexe et très ouvragée, taillée dans une masse imposante.

Autour de morceaux très courts à l'univers inquiétant (« nohpolyX »), prises de respiration avant de replonger dans des abîmes d'électricité, Tol's Toy comporte des morceaux plus longs, très écrits, étagés en strates chaotiques et souvent antagonistes qui s'accouplent pour alourdir encore le flot sonore. Ainsi, « Photo-Apperat-Graph », sans doute le morceau le plus intéressant de l'album, débute dans les stridences heurtées du ténor qui s'incrémentent au métal de la batterie de Julian Sartorius avec une apparente et très fugace fragilité. Au fil des mesures s'instille, d'acidités électroniques en nappes profondes, le jeu de clavier très structurant de Hans-Peter Pfammatter. L'implication de ce dernier, allié aux épaisses textures de Flo Stoffner, détermine largement le son de Lila. Ce guitariste déjà remarqué dans le Gruppe 6 de Manuel Mengis, donne toute son ampleur à cette musique par son jeu virulent et sinueux qui griffe avec fracas le maelström. Parfois la structure s'éparpille en éruptions rapides laissant échapper une rythmique funk venue de nulle part, ou un orage d'électronique qui se noie à nouveau dans une masse incandescente. On retrouve avec « Buxus Harlandii », au centre de l'album, une construction similaire, outre de longues plages monochromes écorchées d'électricité qui pénètrent un peu plus dans le jeu de basse tonitruant de Pfammatter.

Malgré quelques répétitions, Tol's Toy étonne par sa puissance et sa capacité à trouver une profondeur abyssale à la noirceur qui l'accompagne. On pourra se sentir heurté par une agressivité un peu saillante, mais l'univers de Lila a le mérite d'assumer jusqu'au bout un propos solide et parfois oppressant.


Lila "Tol's toy - veto-records 009"
Jazznytt Oslo – Arild Ronsen

Er det noe som heter fri jazzrock? Jeg finner ikke noen bedre sjanger a plassere Lila i. De tradisjonelle melodiforende instrumentene forholder seg sjelden eller aldri til bestemte harmonier, mens trommis Julian Sartorius er flink til a drive fram rockebeat. Nar han onsker det vel a merke – og det er ikke sa alt for ofte. Alle de atte kompsisjonene starter med slags innovd melodi, i det minste et riff. Derfra o gut tror jeg det meste skjer pa gefühlen. Sa lenge man ikke ser dette bandet pa scenen, er det tidvis vanskelig a hore hvem som gjor hva. Det er selvfolgelig enkelt a bestemme hva saksofonisten Christoph Erb og trommeslageren gjor. Men hva som stammer fra gitarist Flo Stoffner og hva elektronikksjefen Hans-Peter Pfammatter ma stilles til ansvar for, er ikke alltid like enkelt a avgjore. Kanskje ikke sa farlig, heller. Det avgjorende er at Lila later fett. Musiken synes hele tida a bevege seg i planlagt retning, hvor uforutsigbart den enn presenteres. Og langt fra alt gar sa til de grader i lengderetning som "Ulla", som rett og slett er en tre minutter lang marsj! Et stykke unna "Her kommer Guttemusikken", men likevel – helt klart i musikalsk familie. Eksperimentelt – og vellykka.

((Google translation zu Jazznytt Oslo: Gibt es so etwas wie eine Free-Jazz-Rock? Ich kann nicht finden, eine bessere Genre einen Platz Lila in. Die traditionellen melodiforende Instrumente beziehen sich selten oder nie bestimmte Harmonien, während Drummer Julian Sartorius gut einen Schub nach vorn Felsen schlagen sind. Wenn er es will nur eine Marke - und es ist nur allzu oft gesagt. Alle zulässigen kompsisjonene beginnt mit Art der gespeicherten Melodie, wenigstens ein Riff. Von dort, o boy, ich glaube, es geschieht auf gefühlen. Sa, solange du nicht siehst diese Band auf der Bühne, ist es manchmal eine Hure, wer was schwierig ist. Es ist natürlich leicht zu entscheiden, was ein Saxophonist Christoph Erb und Schlagzeuger tut. Aber was kommt von Gitarrist Flo Stoffner und was Elektronik-Chef Hans-Peter Pfammatter Mo verantwortlich für, ist nicht immer so einfach, zu entscheiden. Vielleicht nicht so gefährlich, auch nicht. Entscheidend ist, dass Lila Fett scheint. Musician denke die ganze Zeit ein Schritt in die geplante Richtung, in die unberechenbarer als die Gegenwart. Und bei weitem nicht alle gar sprach zu dem Grad in der Längsrichtung als "Ulla", die einfach 3 Minuten langen Marsch! Nicht weit davon entfernt, "Here comes Boy Musik", aber immer noch - deutlich in einer musikalischen Familie. Experimental - und erfolgreich.))


LILA "Tol's toy"
freiStil (A) freistil.klingt.org, Mitter

Schon 2006 hat es auf Unit Records das Debüt dieses Schweizer Experimentalquartetts gegeben. Die eingespielte Vertrautheit macht sich positiv bemerkbar. Es folgt eine fulminante Fahrt auf brodelnden Energieströmen. Kraftvoll, eigenständig und originell wird auf "Tol's Toy" dem Gestus des FreeJazzRock gehuldigt. Miles Davis hat mit seiner "Bitches Brew"-Aufnahme (vor 40 Jahren) den Startschuss für diese, den Jazz erneuernde Richtung abgefeuert. Die europäischen Ausformungen waren, meiner Meinung nach, schon sehr früh mindestens so spannend und interessant. Catalogue, Soft Machine, King Crimson, Terje Rypdal, Gary Windo, um nur ein paar Protagonisten und außergewöhnliche Begabungen dieses Genres zu nennen. Ein unheimlich dichter Soundteppich, der trotzdem immer transparent und durchhörbar bleibt, entwickelt eine starke Sogwirkung, verführt zum Eintauchen in ein ausgetüfteltes Sounduniversum. Die Musiker sind gleichberechtigt am Gelingen des Geschehens beteiligt. Christoph Erb gibt in schnoddrigen Kurzkommentaren oft kurze Richtungsansätze vor (bei "Ulla", einem der schönsten Titel dieser CD, und "Arset" hört man mehr vom Holzbläser), Hans-Peter Pfammatter, am Basssynthie und den elektronischen Geräten fuhrwerkend, sorgt für die raue Ummantelung und den expressiven Esprit, Flo Stoffner, an der Gitarre, füllt und ergänzt mit seinen Licks Freiräume und drückt vielen Stücken einen unverwechselbaren Stempel auf. Julian Sartorius ist die solide Basis, um ein solch halsbrecherisches Projekt überhaupt gelingen lassen zu können. Mit präzisem Donnergrollen trommelt er die Kollegen vor sich her. Beeindruckend.


Das Quartett "lila" im Jazzkeller
Ulm, 20. April 2009, Wolfgang Häberle

Soundcollagen voller Vielfalt und Drive
Das Luzerner Quartett "LiLa" begeisterte im Jazzkeller Sauschdall mit seinem spannenden und groovenden Mix aus Rock und Free Jazz.

Vor 40 Jahren, zu Zeiten der extremsten Blüte des deutschen Free Jazz, konnte zum Beispiel ein Peter Brötzmann einen Saal fast leer spielen. Heute hat der Free Jazz seine Schrecken verloren, aber die Band "LiLa" erlebte nun die umgekehrte, paradoxe Situation, dass trotz verspäteten Konzertbeginns der Jazzkeller fast leer war, doch zum zweiten Set sich plötzlich der Raum doch noch einigermaßen mit Zuhörern füllte.

Der Schweizer Tenorsaxophonist und Bassklarinettist Christoph Erb gründete 2006 sein Bandprojekt "LiLa" und hat dafür junge exquisite Landsleute als Begleiter gefunden: Hans-Peter Pfammatter an den Keyboards, bekannt als Mitglied in Christy Dorans "New Bag", Dave Meier am Schlagzeug und Flo Stoffner an der E-Gitarre.

Überwiegend Kompositionen des Bandchefs präsentierte die Gruppe. Ihnen liegt meistens eine Geschichte zugrunde, der Titel steht oft schon beim Komponieren fest, wie Erb erwähnte, aber die Storys selbst erzählte er nicht, man kann sich somit selbst seine Gedanken machen zu Titeln wie "Liebeslied für eine Komische", "Franz-Xavers Mobile" oder "Für die Ulla".

Ihr zeitgenössischer Jazz war eine spannende Mischung aus Bebop, Funk und Hardrock, auch Minimal-Music-Elemente tauchten auf, und immer wieder wurde eine kräftige Anleihe beim Free Jazz genommen. Es entstanden vielseitige Soundcollagen, oft wild, hart und ungestüm, mal schräg und abgefahren, dann wieder auch radikal, die auch mal zerfließen konnten und deren Drive in so manchen Stücken berauschend war.

Das kollektive Zusammenspiel beim Improvisieren war großartig. Der exzellente Hans Peter Pfammatter an den Keyboards lieferte auch die Basslinen mittels Basssyntheziser und unterstützte so den Klasse- Schlagzeuger Dave Meier. Gitarrist Flo Stoffner agierte als perfekter aber unauffälliger Begleiter. Im Mittelpunkt aber stand immer wieder das Tenor von Christoph Erb, dessen expressive Chorusse die Höhepunkte des Abends stellten.


St. Galler Tagblatt; 09.10.2007
Vorschau / Tom Gsteiger

Zerstörung und Wiederaufbau

Die Musik der Gruppe Lila oszilliert zwischen aggressiver Deftigkeit und bizarrer Klangmalerei. Im Kugl präsentiert das Schweizer Quartett heute seine erste CD.

Christoph Erb und Hans-Peter Pfammatter zählen zu den herausragenden Vertretern einer jungen Innerschweizer Jazzguerilla. Beide haben in ihrem bisherigen Schaffen ein vehementes Interesse an Stilbrüchen gezeigt. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis der Holzbläser, der mit seiner Band erb gut vor zwei Jahren den ZKB-Jazzpreis einheimsen konnte, und der Keyboarder, der mit der Band New Bag des alten Haudegens Christy Dorans um die halbe Welt gereist ist, ein gemeinsames Projekt ins Leben rufen würden.

Schöpferisches Spiel

Erb und Pfammatter sind sich immer mal wieder übern Weg gelaufen, haben gefachsimpelt und geträumt – und irgendwann haben sie dann Nägel mit Köpfen gemacht. So entstand das Quartett Lila , das als Kollektiv funktioniert: Der Gitarrist Flo Stoffner und der Schlagzeuger Julian Sartorius werden von ihren Kollegen nicht herumkommandiert, sondern sind gleichberechtigt in einen Schaffensprozess involviert, bei dem es viele frei gestaltbare Variablen gibt. Pfammatter sagt: «Wir kommen gut miteinander aus. Alle sind stilistisch sehr offen.»

Tatsächlich zeichnet sich die CD « Lila » (Unit Records), auf der Markus Stalder den Gitarrenpart übernimmt, nicht zuletzt durch eine unorthodoxe Rollenverteilung unter den Musikern auf was der kürzlich verstorbene Joe Zawinul über Weather Report sagte, gilt gewissermassen auch für Lila : «Nobody solos, everybody solos.» Pfammatter sagt es so: «Wenn jemand Lust darauf hat, abzuhauen, kann er das machen.» Auf der Webpage der Band (www.li-la.ch) stösst man auf ein Zitat von Stephen Nachmanovitch: «Das Wort Lila in Sanskrit bedeutet Spiel. Mehr als das: göttliches, schöpferisches Spiel, es bedeutet Zerstörung und Wiederaufbau, Werden und Vergehen des Kosmos.»

Verrückter geworden

Die Musik dieser experimentierfreudigen Gruppe oszilliert zwischen aggressiver Deftigkeit und bizarrer Klangmalerei, vertrackte Grooves wechseln ab mit frei pulsierender Energie. Erb schreckt nicht vor Schnoddrigkeit zurück; manchmal schafft er mit der Wiederholung fieser Fieptöne mehr Spannung als viele andere Saxer durch virtuoses Rauf-und-Runter. Pfammatter ist sozusagen die Multi-Tasking-Abteilung der Gruppe, er spielt nicht nur Bass-Synthesizer und Wurlitzer, sondern ist auch für die Electronics-Garnitur besorgt. Sartorius ist das Küken der Band, aber deswegen nicht eingeschüchtert: Ein Schlagzeuger, der Gas geben kann, sich aber nie selbstgefällig in den Vordergrund spielt. Zum Wechsel bei den Gitarristen hält Pfammatter fest: «Mit Stoffner ist die Band noch ein bisschen verrückter geworden.»